Quelle: Fussball.de, von Peter Haidinger

 

Stephan Ohnmacht im Interview zum anstehenden Pokalfinale gegen Oberachern

Am Finaltag der Amateure spielen am Samstag, 21. Mai (ab 12.15 Uhr, live in der ARD), der Sechstligist DJK Donaueschingen und der eine Liga höher aktive SV Oberachern im Landespokalendspiel von Südbaden um den Einzug in den DFB-Pokal. Für beide Klubs wäre es eine Premiere. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht DJK-Torjäger Stephan Ohnmacht (27) über fünf ausgebuchte Fanbusse, ein mögliches Duell mit Robert Lewandowski und den kuriosen Einzug ins Finale.

Wie groß ist die Vorfreude auf das Pokalendspiel gegen den SV Oberachern, Herr Ohnmacht?

Stephan Ohnmacht: Die gesamte Mannschaft und ich persönlich haben noch nie ein Finale bestritten. Entsprechend euphorisiert sind alle im gesamten Umfeld des Vereins. Wir wollen diesen Tag einfach nur genießen.

Das Finale findet auf neutralem Platz in Lahr statt, nahe der deutsch-französischen Grenze. Wie viele Fanbusse hat der Verein für das Endspiel gebucht?

Ohnmacht: Der Verein hat bereits fünf Busse bestellt, in denen etwa 300 DJK-Anhänger Platz finden werden. Einige werden sicherlich auch mit dem eigenen PKW anreisen. Wir rechnen trotz der recht langen Anreise mit 400 bis 500 Fans, die uns im 200 Kilometer entfernten Lahr unterstützen werden. Außerdem hat der Klub Fan-T-Shirts mit dem Slogan "DJK Grün-Weiss - Hier wird Geschichte geschrieben" anfertigen lassen. Als Underdog haben wir uns aber nicht erlaubt, direkt den DFB-Pokal auf die Shirts drucken zu lassen (lacht).

Welche Bedeutung hat die Partie für die DJK Donaueschingen, die im nächsten Jahr ihren 100. Geburtstag feiern wird?

Ohnmacht: Niemand hat damit gerechnet, dass wir so weit kommen - schon gar nicht bis ins Finale. Es ist der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Jeder im Verein redet bereits seit Wochen nur über dieses Finale. Die Vorfreude ist riesengroß.

Im Saisonendspurt der Verbandsliga Südbaden schwebt das Team allerdings in akuter Abstiegsgefahr. Wie erklären Sie sich vor diesem Hintergrund die Erfolge im Landespokal?

Ohnmacht: Wir haben in der Meisterschaft eine schlechte Hinrunde gespielt. Durch die Erfolge im Verbandspokal ist unser Selbstvertrauen aber von Runde zu Runde immer größer geworden, was sich dann auch in der Rückrunde der Meisterschaft widergespiegelt hatte. Fußball ist auch Kopfsache. Nur so konnten wir im Halbfinale mit dem FC Denzlingen, der in unserer Liga die Tabelle anführt, einen klaren Favoriten ausschalten.

Die DJK behielt gegen Denzlingen im Elfmeterschießen 8:7 die Oberhand. Warum waren Sie nicht dabei?

Ohnmacht: Ich musste im Halbfinale corona-bedingt eine Zwangspause einlegen, hatte die Partie von zu Hause aus über Video-Chat verfolgt. Wir hatten vor dem Halbfinale eigens Elfmeter geübt, vor dem Endspiel wird es nicht anders sein. Erst nach insgesamt 20 Elfmetern standen wir als glücklicher Finalteilnehmer fest. Die Umstände dabei waren äußerst kurios, so etwas habe ich noch nie erlebt.

Was meinen Sie genau?

Ohnmacht: Nach 120 Minuten stand es 0:0. Danach hat der Schiedsrichter das Elfmeterschießen auf den benachbarten Kunstrasenplatz verlegt, weil auf dem Naturrasenplatz keine entsprechende Flutlichtanlage vorhanden war. Insgesamt 600 Zuschauern standen beim Elfmeterschießen ganz nahe beim Schützen, hatten praktisch VIP-Karten (lacht).

Mal Hand aufs Herz: Wäre Ihnen der Klassenverbleib mit der DJK Donaueschingen oder die Teilnahme am DFB-Pokal lieber?

Ohnmacht: Da muss ich nicht lange überlegen: Definitiv der DFB-Pokal, weil die Chance, gegen einen Bundesligaklub spielen zu dürfen, für meine Teamkollegen und mich noch nie so groß war. Für einen Amateurfußballer ist das einfach das Größte.

 

Wer wäre denn Ihr Wunschgegner?

Ohnmacht: Wenn wir Borussia Dortmund oder gar den FC Bayern München zugelost bekämen, würde ich aus dem Grinsen nicht mehr herauskommen. Dann würde ich mich als Stürmer auch gerne in die Abwehr stellen. Einfach um zu sehen, wie es ist, gegen Robert Lewandowski zu spielen.

Ihr Team hat noch nie an einem Finale teilgenommen, es ist die erste Live-Übertragung der Vereinsgeschichte im TV. Ist die Anspannung in der Kabine auch deshalb bereits zu spüren?

Ohnmacht: Definitiv! Jeder will im Finale dabei sein und sich auf gar keinen Fall vorher in den Meisterschaftsspielen oder im Training verletzen. Um ehrlich zu sein: Obwohl wir uns noch im Ligaalltag befinden, sprechen alle nur noch über das Finale. Besonders die jüngeren Spieler müssen wir davon überzeugen, keine besonderen Sachen im Finale machen zu wollen. Denn das geht meistens schief.

Wie bereiten Sie sich auf das Finale vor?

Ohnmacht: Da unser Finale bereits ab 12.15 Uhr stattfindet, hatte ich angeregt, unsere Trainingseinheiten auf diese Zeit zu verlegen. Es ließ sich aber nicht realisieren, weil die meisten Spieler berufstätig sind. Auch ich arbeite seit fünf Jahren im Vertriebs-Controlling bei einem mittelständischen Konzern in der Sanitär-Keramik-Branche. Ich bin deshalb jeweils in der Mittagspause aufs Fahrrad gestiegen, um meinen Biorhythmus auf die ungewohnte Anstoßzeit des Finales vorzubereiten. Wir werden auch nicht einen Tag vorher anreisen, sondern uns um 8 Uhr in den Bus setzen und dann zum Spiel fahren.

Wird Ihre Familie auch vor Ort sein?

Ohnmacht: Meine Freundin Kim studiert in Kleve und wird sich für das Finale sechs Stunden ins Auto setzen, um dabei zu sein. Auch meine ganze Familie wird mich lautstark unterstützen. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld bereits 13 Karten verkauft.

Wurde mit den Vereinsverantwortlichen bereits eine Siegprämie ausgehandelt?

Ohnmacht: Noch haben wir darüber nicht gesprochen. Unser Anreiz ist, das Unmögliche zu schaffen. Sollte eine Prämie dazukommen, wäre es umso schöner. Die Teilnahme am DFB-Pokal ist mir persönlich aber viel wichtiger als alles andere.

In Ihrer Vita stehen bei bislang zwölf Einsätzen im Landespokal beachtliche zehn Tore. Welche Partie ist Ihnen dabei am meisten in Erinnerung geblieben?

Ohnmacht: In der Saison 2020/2021 hatte ich in der ersten Runde gegen den Bezirksligisten SV Rietheim einen Fünferpack geschnürt. In dieser Saison bin ich erst im Winter vom Oberligisten 1. FC Rielasingen-Arlen zur DJK Donaueschingen zurückgekehrt. Bei meiner Premiere im Pokal-Viertelfinale sind mir beim 2:1 gegen den Landesligisten SV Au-Wittnau beide Treffer gelungen. Besser hätte mein Einstand nicht laufen können.

Haben Sie ein bestimmtes Ritual vor jedem Spiel?

Ohnmacht: Ich binde mir die Fußballschuhe erst auf dem Platz zu. Da kann es schon mal vorkommen, dass auf mich gewartet werden muss (lacht).

Warum qualifiziert sich die DJK Donaueschingen erstmals für den DFB-Pokal?

Ohnmacht: Wir sind ein eingeschworener Haufen, halten zusammen, geben nie auf und fighten bis zum Ende. Ich bin mir sicher, dass der SV Oberachern Respekt vor uns haben wird, weil wir unangenehm und für jeden Gegner eklig zu spielen sind.

Welche Schlagzeile würden Sie nach dem Finale gerne über sich lesen?

Ohnmacht:  "Ohnmacht schießt Donaueschingen in den DFB-Pokal!"

Stephan Ohnmacht im Interview zum anstehenden Pokalfinale gegen Oberachern